ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
Dermatologie & Allergologie
Syphilis: Diagnose
Syphilis
Definition
Infektiöse und kontagiöse Erkrankung der Haut, Schleimhäute und inneren Organe mit meist chronischem Verlauf (Spontanheilung in Einzelfällen).
Meist Stadien unterscheidbar: Primär- und Sekundärstadium (= Frühsyphilis), Tertiär- oder Quartärstadium (= Spätsyphilis); latente Syphilis
Ätiologie
Treponema pallidum
Epidemiologie
- Die Syphilis ist weltweit verbreitet
- In Europa und den USA beträgt die Prävalenz 10–30/100.000/Jahr
Übertragung
Eindringen der Erreger in kleinste Haut- oder Schleimhautschrunden bei direktem Kontakt, in erster Linie beim Geschlechtsverkehr
Inkubationszeit
Etwa 3 Wochen
Klinik
Primärstadium der Syphilis (Lues I)
Symptome
- 3 Wochen nach der Infektion Auftreten des Primäraffektes, einer Erosion oder eines Geschwürs mit derbem Rand und Grund, meist im Genitalbereich lokalisiert,
- extragenital ca. 10 % (z. B. Lippen, Mundhöhle, Enddarm). Schwellung der regionären Lymphknoten, alle indolent, einzige Lokalisation, die schmerzhaft ist: Finger.
Verlauf
- Nach einigen Wochen Vernarbung
Sekundärstadium der Syphilis (Lues II)
Symptome
- Großer Formenreichtum der Hauterscheinungen!
- Kein Juckreiz!
- Häufig Befall von Handtellern und Fußsohlen!
- Roseola: livides, makulöses Exanthem (Erstlingsexanthem immer makulös)
- später: Papulöse und ulzeröse Syphilide
- Condylomata lata: nässende Papeln in intertriginösen Räumen
- Leucoderma specificum: meist im Hals-Brust-Bereich
- Alopecia specifica: „mottenfraßartiger“ Haarausfall
- Mundschleimhauterscheinungen: glatte, papillenfreie Zungenherde, zuckergussähnliche opaline Herde
- Polyskleradenitis: generalisierte Lymphknotenschwellung
- Mögliche Beteiligung anderer Organe: Meningitis, Iritis, Hepatitis
Verlauf
- Auftreten ab ca. 9 Wochen nach der Infektion
- Mehrfaches, zunehmend symptomärmeres Rezidivieren, schließlich Übergang in das klinisch symptomlose Stadium der Lues latens
Tertiärstadium der Syphilis (Lues III)
Symptome
- Tubero-serpiginöse Syphilide: bogig begrenzte, chronische Hautinfiltrate mit bräunlich-blau-rotem Farbton und zentraler Atrophie
- Gummen: gummiartige Granulome in parenchymatösen Organen, Knochenund Bindegewebe etc.
- Mesaortitis luetica: Gefahr des Aortenaneurysmas
Verlauf
- Auftreten meist ab 3.–5. Krankheitsjahr, zu irreversiblen Schäden führend
Quartärstadium der Syphilis (Lues IV)
Symptome
- Tabes dorsalis mit lanzinierenden Schmerzen, Ataxie, Schwinden der Patellar- und Achillessehnenreflexe
- Progressive Paralyse mit Veränderung der Persönlichkeit und Demenz
- Befall des peripheren oder zentralen Nervensystems auch im Stadium II und III möglich
Lues connata
- Übertragung der Erreger von Mutter auf den Fetus nach dem 4. Schwangerschaftsmonat
- Führt oft zum Abort oder zur Geburt eines schwerkranken Säuglings, in dessen Organen zahlreiche Treponemen nachweisbar sind
Diagnose
Primär- und Sekundärstadium
- Erregernachweis im Dunkelfeldmikroskop
- Positive Seroreaktionen. Empfohlen werden als Suchtest der TPHA- und VDRL-Titer (Speziallaboratorium). VDRL-Titer besonders zur Verlaufskontrollen nach Therapie; bei Untersuchung auf Reinfektion VDRL-Titer und 19-S-IgM-FTA-ABS-Test.
Tertiär- und Quartärstadium
- Positive Seroreaktionen in Serum und Liquor
Beachte: Anteil der klinisch latenten Syphilis hoch (bis 50 %!). Bei HIV-positiven Patienten in fortgeschrittenen Stadien atypische Klinik und AK-Konstellation möglich
Letztes Update:12 März, 2009 - 15:21Aktuelle Literaturempfehlungen:








